Samstag, März 08, 2008

Township Life - Eine andere Welt ...

Waehrend Stefan noch hier war, bin ich mit ihm an einem Sonntagmorgen auf eine Townshiptour gegangen. Mit einer kleinen Gruppe von 6 Leuten plus Tourguide ging es um 9:00 Uhr an der Waterfront los, krasser haette der Gegensatz an diesem Tag wohl nicht werden koennen.

Unsere Tour begann in Langa, dem aeltesten Township Kapstadts. Dort besuchten wir einen baptistischen Gottesdienst. Der Gottesdienst war mitten im Gange als wir ankamen und die Stimmung entsprechend munter. Was ich dort miterleben durfte, hatte mit einem Gottestdienst so wie ich ihn aus Deutschland kannte, nicht viel zu tun. Ich war begeistert welches Leben und welche Stimmung dort herrschte und war wirklich beruehrt. Besonders die gemeinsam gesungenen Songs brachten eine nicht zu beschreibende Atmosphere voller Freude und Zusammengehoerigkeit.

Danach ging es weiter nach Kayelitsha, dem groessten Township Kapstadts. Dort besuchten wir ein Bed & Breakfast (ja, so was gibt es tatsaechlich auch im Township) das von einer Frau betrieben wird, die in der dortigen Community sehr aktiv ist. Das B&B hat momentan nur 2 Zimmer, wird aber auf 4 Zimmer ausgebaut. Es scheint weltweit einen grossen Bekanntheitsgrad zu haben, hatte sie doch Zeitungsausschnitte aus der ganzen Welt aufgehangen, die ueber ihr Business berichten.

In Kayelitsha gingen wir dann auch ein wenig zu Fuss spazieren. Es war sehr interessant aber auch einfach total anders zu allem, was ich bisher hier gesehen habe. Wir besuchten dann ein sogenanntes Sheeben, eine Art Kneipe, die aber eher ein winiziges Wohnzimmer in einem der Wellblechhuetten war. Dort sassen einige Leute und tranken aus einer grossen Blechdose oder alternativ einem alten Waschmitteleimer eine Art eigengebrautes Bie, aber wie gesagt, eine "Art" von Bier...

Anschliessend ging es durch Guguletu und dort besuchten wir einen Heiler der eine ganze Sammlung von interessanten, wenn auch teilweise fuer uns seltsamen "Heilmitteln" im Angebot hatte. Naturheilkunde hat eine lange Tradition unter den afrikanischen Staemmen und dementsprechendes Wissen wird unter den traditionellen Heilern weitergegeben. In Suedafrika wurden die traditionellen Heiler nun auch in die Leistungen der hiesigen privaten Krankenkassen mit aufgenommen.

Leider regnete es an diesem Tag recht viel, dementsprechend drueckender empfand ich auch die Stimmung in den Townships. Allerdings herrschte eine Menge Leben auf den Strassen und die Leute, mit denen ich mich unterhalten habe, waren alle sehr nett und aufgeschlossen.

Wenn man sich bewusst macht, dass der Grossteil der Bevoelkerung hier in Townships lebt, dann ist die Welt, in der wir uns hier bewegen das Paradis einer Minderheit. Allerdings muss man auch sagen, dass einige (wenn auch wenige) die aus den Townships wegziehen koennten, die Community dort so schaetzen, dass sie nicht wegziehen moechten. Zudem ist Township auch nicht gleich Township. Es bezeichnet lediglich zunaechst eine Gegend, in der (fast) ausschliesslich Schwarze oder Farbige wohnen, und es ist ein Relikt aus Zeiten der Apartheid. Townships koennen sowohl eine Infrastruktur wie Strom und Kanalisation nebst Teerstrassen etc. haben und auch Steinhaeuser. Oder eben auch Wellblechhuetten und Dirt Roads mit zentralen sanitaeren Einrichtungen, die man kaum so bezeichnen kann.

Alles in allem war der Tag fuer mich ein Tag voller neuer Eindruecke, wenn auch viele Dinge genau so waren, wie ich es mir vorgestellt und wie ich es bisher mitbekommen hatte. Ich kann nur jedem Empfehlen, eine derartige Tour hier mitzumachen, bringen sie doch Geld in die Townships und viel wichtiger noch Verstaendnis fuer die Situation der Leute.